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Ungleiches Corona

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Ungleiches Corona

Vor dem Virus sind nicht alle gleich. Zwar haben sich auch Boris Johnson, Tom Hanks, Jens Spahn und Friedrich Merz infiziert. Die bürgerliche Mittel- und Oberschicht kämpft aber im Homeoffice höchstens mit der Netzgeschwindigkeit. Verkäuferinnen, Pfleger und Busfahrerinnen können sich hingegen täglich am Arbeitsplatz und im öffentlichen Verkehr mit dem Virus anstecken. Auch ist es ein Unterschied, ob man die Quarantäne im eigenen Haus mit Garten oder im dunklen Mehrfamilienhaus verbringt.

Das Virus trifft die Verwundbaren besonders hart. Auf den Intensivstationen liegen vermehrt sozial Benachteiligte. In Vierteln mit geringen Einkommen, viel Armut und hoher Arbeitslosigkeit stecken sich mehr Menschen mit Corona an als in „besseren“ Stadtteilen. Die Ursachen liegen auf der Hand: Ärmere Menschen arbeiten seltener im Homeoffice und leben häufiger in beengten Wohnverhältnissen.

Wirtschaftspolitik 08 / 2021 ver.di Ungleiches Corona

So lag die Sieben-Tage-Inzidenz (Fälle pro 100.000 Einwohnern) in den Kölner Hochhaussiedlungen Chorweiler und Kölnberg dreimal höher als in der gesamten Domstadt. In Berlin war die Inzidenz in Neukölln mit sozialen Brennpunkten fast 40 Prozent höher als im Rest der Hauptstadt.

Erste Städte schicken bereits mobile Impfteams in soziale Brennpunkte. Das ist gut so. Impfungen dürfen nicht zu einer sozialen Frage werden. Darüber hinaus brauchen wir kostenlose FFP2-Masken und bestmöglichen Arbeits- und Gesundheitsschutz in allen Berufen.