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Komplizen der Steuervermeidung

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Komplizen der Steuervermeidung

Mehr als 20 Milliarden Euro verliert Deutschland jedes Jahr durch die Steuervermeidung multinationaler Unternehmen. Ein zentrales Instrument sind Kredite, die von ausländischen Gesellschaften desselben Konzerns zu überhöhten Zinsen an Gesellschaften in Deutschland gegeben werden. Die bei der ausländischen Schwestergesellschaft ankommenden hohen Zinszahlungen werden an Steueroasen weitergeleitet. Dort fallen keine oder nur minimale Steuern an.

Bei der deutschen Gesellschaft führen die überhöhten Zinszahlungen dazu, dass sie kaum noch Gewinn macht. Sie zahlt entsprechend weniger oder keine Gewinnsteuern. Insbesondere große Immobilieninvestoren nutzen diese Methode, um ihre Mieteinnahmen an der Steuer vorbei zu schleusen. Finanzministerium und Bundesrat wollten dieses Schlupfloch endlich zumindest etwas stopfen. Es sollten nur noch Zinsen für wirtschaftlich notwendige Kredite in marktüblicher Höhe abgesetzt werden können.

Steuerpolitik ver.di Wirtschaftspolitik aktuell 10 / 2021  – Komplizen der Steuervermeidung

Doch die große Koalition hat auf Druck der Unternehmenslobby und der CDU/CSU diese Regelung wieder aus dem Gesetz gestrichen. Auch ein weiteres Schlupfloch bleibt: Wer eine Wohnung kauft, muss normalerweise Grunderwerbsteuer zahlen. Doch wenn z.B. Vonovia mehr als 100.000 Wohnungen der Deutsche Wohnen kauft, bleibt dies steuerfrei, weil es um Unternehmen bzw. ihre Anteile geht. Es profitieren die reichen Anleger von Immobilieninvestments, den Schaden hat die Allgemeinheit.